Die Synagogen‑Gemeinde zu Magdeburg durfte am 19. Mai 2026 einen außergewöhnlichen und bewegenden Moment erleben: die feierliche Einweihung einer neuen Thorarolle. Zahlreiche Gäste aus Politik, Religionsgemeinschaften, Kultur und Zivilgesellschaft nahmen an diesem besonderen Ereignis teil und teilten die Freude der Gemeinde.
Landesrabbiner Dr. Daniel Fabian erinnerte in seiner Ansprache daran, dass dieser Tag weit über eine festliche Zeremonie hinausgeht. Mit den Worten „Heute ist ein Tag großer Freude und tiefer Dankbarkeit“ eröffnete er seine Rede und führte eindrucksvoll aus, warum die Einweihung einer Thorarolle zu den bedeutendsten Momenten im jüdischen Leben gehört.
Er betonte: „Die Einweihung einer neuen Thorarolle ist nicht nur ein feierlicher Moment für eine jüdische Gemeinde, sondern ein Ereignis von besonderer spiritueller Bedeutung.“
Die Thora sei ein lebendiger Bund – ein Band der Liebe, der Treue und der Verantwortung zwischen dem jüdischen Volk und seiner heiligen Tradition.
Unter der Chuppa, dem Baldachin, wurde die Thorarolle in die Synagoge geleitet – ein Symbol, das an eine Eheschließung erinnert. Landesrabbiner Fabian erklärte: „So wie Braut und Bräutigam unter der Chuppa einen gemeinsamen Weg beginnen, so treten auch wir heute erneut in diesen Bund mit der Thora ein.“
Inessa Myslitska, Vorsitzende der Synagogen‑Gemeinde, hob die besondere Bedeutung dieses Tages hervor. Sie erinnerte daran, dass die Entstehung der Thorarolle ein generationenübergreifendes Projekt war: „Mehr als 30 Jahre lang haben Gemeindemitglieder, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Freundinnen und Freunde für die neue Thorarolle gespendet. Dieses besondere Ereignis verbindet mehrere Generationen, die den Neubeginn jüdischen Lebens in Magdeburg gewagt und damit ein Zeichen für die sichere Zukunft unserer Kinder gesetzt haben.“
Die neue Synagoge wurde im Dezember 2023 eröffnet. Sie trägt an ihrer Fassade den Vers aus Jeschajahu: „Denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker genannt werden.“
Dieser Satz beschreibt das Selbstverständnis der Gemeinde: ein offenes Haus, ein Ort des Gebets, der Begegnung und des Miteinanders.
Die neue Thorarolle steht damit nicht nur für die Vergangenheit, sondern vor allem für die Zukunft: für Kinder, die hier lernen werden, für Familien, die hier beten werden, und für alle Menschen, die in dieser Synagoge Orientierung, Wärme und Gemeinschaft finden.
Möge diese Thorarolle der Gemeinde Segen bringen, Frieden stärken und Licht in unser gemeinsames Haus tragen.
