Gedenkstättenfahrt der Klasse 9b nach Treblinka (23.–27. März 2026)



Im März unternahm die Klasse 9b des Ökumenischen Domgymnasiums Magdeburg im Rahmen des bundesweiten Programms „Jugend erinnert“ eine Gedenkstättenfahrt nach Polen. Ziel der Reise war die intensive Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen an den authentischen Orten der ehemaligen Lager Treblinka I und Treblinka II.
Der Fahrt ging eine gezielte schulische Vorbereitung voraus. Die Schüler setzten sich in selbst gewählten Gruppen mit literarischen Texten, Berichten von Überlebenden sowie historischen Hintergründen zur „Aktion Reinhardt“ auseinander. Diese Materialien dienten als Grundlage für eigene Präsentationen, die während der Fahrt in den Abendrunden vorgestellt und gemeinsam besprochen wurden. So konnten bereits vor Ort Fragen geklärt, Eindrücke eingeordnet und Gedanken ausgetauscht werden.
In Treblinka wurden die Jugendlichen von erfahrenen fachlichen Begleitern unterstützt. In Führungen, Gesprächen, Filmsequenzen und eigenständigen Rundgängen erhielten sie vertiefende Einblicke in die Geschichte der Lager und das System der nationalsozialistischen Vernichtung. Besonders eindrücklich war für viele Schülerinnen und Schüler das weitgehend leere Gelände von Treblinka II, dessen heutige Gestaltung zu stillem Nachdenken und persönlicher Auseinandersetzung einlädt.
Ein fester Bestandteil der Fahrt waren gemeinsam vorbereitete Gedenkaktionen. Die Klasse erinnerte namentlich an bekannte Holocaust-Opfer aus Magdeburg und machte so deutlich, dass hinter den historischen Zahlen individuelle Lebensgeschichten stehen. Außerdem pflanzten die Schüler im internationalen Korczak-Hain einen Baum zur Erinnerung an die ermordeten Kinder und an den Pädagogen Janusz Korczak. Die Finanzierung des Baumes hatte die Klasse zuvor eigenständig durch einen Kuchenbasar an der Schule übernommen.
Weitere Stationen der Reise waren der Besuch des POLIN-Museums in Warschau sowie Rundgänge durch das ehemalige Warschauer Ghetto, darunter der „Umschlagplatz“ als Ort der Deportationen. Besonders bereichernd empfand die Gruppe die Begegnungen mit Nachfahren polnischer Familien, die während der deutschen Besatzung jüdischen Menschen geholfen hatten und als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurden.
Die Eindrücke der Fahrt waren intensiv und nachhaltig. In gemeinsamen Gesprächsrunden wurde deutlich, dass die Schüler ihr historisches Wissen vertiefen, Zusammenhänge besser verstehen und als Klasse weiter zusammenwachsen konnten. Fragen von Antisemitismus, Rassismus und Verantwortung wurden dabei bewusst auch mit Blick auf die Gegenwart thematisiert. Die Nachbereitung der Gedenkstättenfahrt erfolgt unter anderem durch einen Workshop für den gesamten Jahrgang 9 in der Aula des ÖDG. Hier erfolgt auch eine inhaltliche Mitwirkung des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt e.V..
Die Fahrt nach Treblinka hat damit nachhaltig Spuren im Schulleben hinterlassen und ist ein eindrückliches Beispiel für gelebte Erinnerungskultur am Ökumenischen Domgymnasium Magdeburg und ist Bestandteil des Programms „Jüdische Kultur Sachsen-Anhalt 2025“.
Die Gedenkstättenfahrt wurde ideell, organisatorisch und finanziell gefördert, unter anderem durch das Programm „Jugend erinnert“ des BMFSJ, die Bethe Stiftung, die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt sowie weitere unterstützende Partner. Ihnen gilt unser herzlicher Dank für die Unterstützung dieses wichtigen Bildungsprojekts.
Herr Artur Chmielewski, Klassenleiter der 9b

