Mit dem Ökumenischen Domgymnasium Magdeburg besucht eine weitere Schule aus Sachsen-Anhalt die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers in Treblinka. Bereits im vergangenen Jahr hatten Schülerinnen und Schüler dieser Schule in einem vorbereiteten Projekt in der neuen Synagoge in Magdeburg einen Projekttag zum Thema: jüdisches Leben in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt realisiert. Mit kleinen eigenen Beiträgen und interessanten Vorträgen von eingeladenen Experten zu diesem Thema, hatten sie sich mit jüdischer Geschichte, jüdischer Gegenwart und jüdischer Zukunft in unserer Stadt und unserem Bundesland beschäftigt. Folgerichtig war dann die positive Beantwortung der Frage, ob Jugendliche dieser Schule nicht mit finanzieller Unterstützung des Bundes und der Landeszentrale für politische Bildung eine Gedenkstätte in Polen besuchen wollen. Am 23. März startet nun eine Gruppe von 24 Schülerinnen und Schülern einer neunten Klasse in diese besondere Geschichtsexkursion. Besondere Aspekt der Reisen von Jugendlichen aus der Stadt Magdeburg ist immer die Tatsache, dass es hier zu einer Spurensuche ehemaliger Magdeburger Jüdinnen und Juden kommt, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus der städtischen Gemeinschaft ausgegrenzt, entrechtet, ihres Eigentums beraubt wurden und später in das Warschauer Ghetto deportiert worden sind. Ein Teil von ihnen ist bereits im Warschauer Ghetto an den katastrophalen medizinischen und wirtschaftlichen Bedingungen ums Leben gekommen. Ein weiterer Teil war unter den ersten Deportierten, die im Juli 1942 den Weg in das Vernichtungslager Treblinka antreten mussten. Sie zählten im Ghetto zu den „Flüchtlingen“ und konnten mit der Situation nicht umgehen. Eine originale überlieferte Deportationsliste nennt den Jugendlichen 154 Namen von Frauen. Männern und Kindern, die im Warschauer Ghetto waren oder in Treblinka dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Jugendliche kennen diese Namen zum Teil von Stolpersteinen in der Stadt, die verlegt wurden und an diese Menschen erinnern. Während der Exkursion werden die Jugendlichen dann die authentischen Orte erleben, als sie am sogenannten Umschlagplatz“ auf die Waggons zum Abtransport in das Vernichtungslager warten mussten. Im Gelände der Gedenkstätte sehen sie dann einen Ort, an welchem 17.000 Steinmonumente an fast 900.000 ermordete jüdische Menschen erinnern. Die Mitglieder der Gruppe haben sich gut auf die Reise vorbereitet und kleine Vorträge erarbeitet, die sich dann gegenseitig vorstellen. In der Schule haben sie mit einer Aktion Geld gesammelt, um im Korzcak-Hain in Treblinka als Schule einen Baum für den polnischen jüdische Arzt und die Kinder des Kinderheims aus dem Ghetto zu pflanzen. Auch ihre Leben endeten in den Gaskammern von Treblinka.
Diese Fahrt ordnet sich würdig in das neue Projekt „Jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt“ ein, welches am 8. März 2026 gestartet ist. In der Nachbereitung der Fahrt werden sie in der Schule Zeugnis von ihren Erlebnissen ablegen.
Peter Wetzel, Fachliche Begleiter der Gedenkstättenfahrt und Mitglied im Vorstand des Fördervereins Neue Synagoge Magdeburg e.V.

