Geschichte jüdischen Lebens in Sachsen-Anhalt
Kontinuität, Brüche und Neubeginn
Jüdische Gemeinden sind seit dem Mittelalter in vielen Städten und Regionen Sachsen-Anhalts belegt. Sie prägten Handel, Wissenschaft, Kultur und das gesellschaftliche Leben maßgeblich mit. Orte wie Magdeburg, Halberstadt, Dessau oder Merseburg waren wichtige Zentren jüdischen Lebens.
Die nationalsozialistische Verfolgung und die Shoah führten zur Zerstörung dieser gewachsenen Strukturen. Nach 1945 war jüdisches Leben in der Region nur noch in sehr begrenztem Umfang möglich. Erst nach 1990 kam es zu einem vorsichtigen, aber nachhaltigen Neubeginn jüdischen Gemeindelebens in Sachsen-Anhalt.
Jüdisches Leben heute
Vielfalt, Gegenwart und Selbstverständlichkeit
Heute leben Jüdinnen und Juden in verschiedenen Städten Sachsen-Anhalts und gestalten jüdisches Leben aktiv mit. Gemeinden, Initiativen und Institutionen stehen für religiöse Praxis, kulturelles Engagement, Bildungsarbeit und gesellschaftlichen Dialog.
Jüdisches Leben zeigt sich dabei in vielen Formen: religiös und säkular, traditionell und zeitgenössisch, lokal verwurzelt und international vernetzt. Es ist ein selbstverständlicher Teil der kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt Sachsen-Anhalts.
Orte jüdischer Kultur und Geschichte
Erinnern, bewahren, vermitteln
Sachsen-Anhalt verfügt über zahlreiche Orte des jüdischen Erbes, die Geschichte, Kultur und Gegenwart jüdischen Lebens sichtbar machen. Dazu gehören Museen, ehemalige Synagogen, Friedhöfe, Gedenkorte und Bildungsstätten.
Diese Orte sind nicht nur Erinnerungsräume, sondern auch lebendige Orte der Vermittlung, des Lernens und der kulturellen Auseinandersetzung. Sie laden dazu ein, jüdische Geschichte und Kultur differenziert kennenzulernen und in ihren regionalen Bezügen zu verstehen.
Jüdische Museen in Sachsen-Anhalt
Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur – Halberstadt
Das Berend Lehmann Museum in Halberstadt widmet sich der Geschichte jüdischen Lebens in der Region und darüber hinaus. Es ist im historischen Mikwenhaus und im rabbinischen Lehrhaus der ehemaligen jüdischen Gemeinde untergebracht und präsentiert Exponate zu Familien-, Gemeinde- und Wirtschaftsleben. Die Ausstellung erzählt anhand von Objekten, Dokumenten und Geschichten aus dem Alltag jüdischer Menschen ein lebendiges Kapitel regionaler und deutscher jüdischer Geschichte.
Museum Synagoge Gröbzig
Das Museum Synagoge Gröbzig ist ein einzigartiges Ensemble aus Synagoge, Kantorhaus, Schule und Remise und bietet einen umfassenden Einblick in jüdische Tradition, Religion und Alltagskultur. Die Dauerausstellung beleuchtet jüdisches Leben in Gröbzig und vermittelt zentrale Aspekte jüdischer Geschichte, Bräuche und Rituale. Durch original erhaltene Kultgegenstände und pädagogische Angebote ist das Museum ein wichtiger Ort der Erinnerung und Bildung.
Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt
Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg
Die Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg ist eine der ältesten jüdischen Gemeinden Sachsens-Anhalts und ist heute Teil des Landesverbandes. Sie ist religiöses und kulturelles Zentrum in Magdeburg und betreibt unter anderem die wiederaufgebaute Synagoge als Ort für Gottesdienste, Begegnung und Bildungsangebote. Die Gemeinde engagiert sich aktiv im gesellschaftlichen Dialog und in der kulturellen Vermittlung.
Jüdische Gemeinde zu Halle (Saale)
Die Jüdische Gemeinde in Halle (Saale) ist eine der größten Gemeinden im Land und pflegt religiöses Leben, Bildungs- und Kulturarbeit. Neben Gottesdiensten und Gemeinschaftsangeboten betreibt sie Einrichtungen für verschiedene Altersgruppen und organisiert regelmäßige Veranstaltungen. Die Gemeinde übernimmt auch wichtige gesellschaftliche Verantwortung in der Erinnerungskultur und im Austausch mit der Stadtgesellschaft.
Jüdische Gemeinde zu Dessau-Roßlau
Die Jüdische Gemeinde zu Dessau-Roßlau ist ebenfalls Mitglied im Landesverband jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt. Sie ist ein Ort jüdischen Lebens in der Region und steht für gemeinschaftliche religiöse Praxis, kulturelle Aktivitäten und Dialog. Die Gemeinde trägt zur Sichtbarkeit jüdischer Kultur in Dessau-Roßlau und darüber hinaus bei.
Jüdisches Sachsen-Anhalt im landesweiten Kontext
Vernetzt, sichtbar, zukunftsorientiert
Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt ist eng mit regionalen, bundesweiten und internationalen Netzwerken verbunden. Kooperationen mit Museen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Initiativen stärken die Sichtbarkeit jüdischer Kultur im Land.
Das Projekt „Jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt“ trägt dazu bei, diese Netzwerke auszubauen, lokale Akteur:innen zu unterstützen und jüdisches Leben langfristig im kulturellen Selbstverständnis des Landes zu verankern.
Entdecken Sie das jüdische Sachsen-Anhalt
