
Der jüdische Friedhof in Aschersleben ist nach Sanierungsarbeiten wieder für Besucher geöffnet
27. Juni um 10:00 bis 16:00
„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ (Immanuel Kant)
Ein historischer Ort kehrt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück: Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Bauabschnitts der Sanierungsarbeiten öffnet der Jüdische Friedhof Aschersleben ab Pfingsten 2026 wieder in regelmäßigen Abständen seine Tore für Besucherinnen und Besucher.
Über das Sanierungsprojekt
Seit 2025 werden die geschichtsträchtigen Grabstätten des Friedhofs in drei Bauabschnitten umfassend instandgesetzt. Im Rahmen des ersten Abschnitts konnten bereits alle umgefallenen Grabsteine fachgerecht wiederaufgestellt werden. Das Projekt „Sanierung und Wiederherstellung der Grabstätten des jüdischen Friedhofs in Aschersleben“ wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
Veranstalter ist der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt im Rahmen des Projektes „Jüdische Kultur Sachsen-Anhalt“.
Ein Blick in die Geschichte
Der jüdische Friedhof an der Schmidtmannstraße wurde in den Jahren 1867/68 angelegt; die Belegungszeit reichte von 1869 bis 1970. An der Straßenseite ließ die Jüdische Gemeinde ein Leichen-, Tahara- und Wächterhaus errichten, das später zu einem Wohnhaus umgestaltet wurde. Eine dort angebrachte Tafel erinnert an die Bruno-Hahn-Gedächtnisstiftung, die 1867 vom Bankier und Stadtrat Eduard Hahn zum Gedenken an seinen früh verstorbenen Sohn ins Leben gerufen wurde.
Die repräsentative Aussegnungshalle wurde 1927/28 im Auftrag des Gemeindevorstands (Jacob Jacks, Hermann Crohn und Moritz Bry) vom Ascherslebener Stadtbaurat und Architekten Dr. Hans Heckner errichtet и feierlich am 2. Dezember 1928 eingeweiht. In den späten Abendstunden des 10. November 1938 wurde das Gebäude im Zuge des Novemberpogroms in Brand gesteckt und die Ruine danach vollständig abgerissen.
Im April 1945 zerstörten Bombenangriffe auf die angrenzenden Bahnanlagen weitere Teile der Grabstätten. Dass der Friedhof nach 1945 gerettet wurde, ist insbesondere den Verdiensten von Feodor Hirsch zu verdanken, der das Grundstück teils mit eigenen Mitteln wiederherstellte.
Öffnungszeiten und Termine für die Saison 2026
Nutzen Sie die Gelegenheit, diesen Ort der Ruhe und des Gedenkens zu besuchen. Der Friedhof ist an den folgenden Tagen jeweils von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet (Ausnahmen im Text angegeben):
- Pfingstsonntag, 24.05.2026 & Pfingstmontag, 25.05.2026
- Sonntag, 31.05.2026
- Sonntage im Juli: 12.07. / 19.07. / 26.07.2026
- Sonntage im August: 02.08. / 09.08. / 16.08.2026
(Begleitend zu den Jüdischen Kulturtagen zwischen Harz und Heide, Israel Jacobsen Netzwerk, 17.08. bis 20.09.2026) - Sonntag, 06.09.2026 (Tag der jüdischen Kultur) — Verlängerte Öffnung: 10:00 bis 18:00 Uhr
- Sonntage im Oktober: 11.10. / 18.10. / 25.10.2026
- Sonntag, 01.11.2026
Besondere Gedenktage & Führungen 2026:
(Für diese Termine mit festen Uhrzeiten finden Sie auch separate Detail-Einträge in unserem Kalender)
- Sonntag, 20.09.2026 (Tag des Friedhofs) — 10:00 Uhr: Führung
- Sonntag, 08.11.2026 (Gedenken an Novemberpogrom) — 14:00 Uhr: Führung
- Montag, 10.11.2026 — Gedenkveranstaltung (Uhrzeit TBA)
- Sonntag, 15.11.2026 (Volkstrauertag) — 11:00 Uhr: Führung
Individuelle Führungen: - Führungen für Gruppen und Einzelpersonen sind ganzjährig auf Anfrage möglich.
- Anmeldung per E-Mail an: Claudia_Andrae@t-online.de oder Tel. 03473-9143026, Mob. 0160-98472334
Wichtiger Hinweis: Männliche Besucher werden höflich gebeten, auf dem Friedhofsgelände eine Kopfbedeckung (Kappe, Hut oder Kippa) zu tragen.
Führungen sind kostenlos. Spenden für den weiteren Erhalt des Friedhofs sind willkommen.
